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Der Mond lügt und betrügt uns.

Seit Jahren schon. Seit Jahrzehnten. Nein, seit Jahrhunderten. Und dennoch folgen ihm die Gezeiten. Nie ist er Sichel. Oder Halbvoll. Immer nur schwarz. Dunkel, ein Konglomerat aus Gestein. Durchdrungen von Phosphor, Kalium, Uran, Thorium und Seltene Erden. Aus Lava. Und von Meteoriden mehrfach getroffen. Aber nie hell leuchtend, den Weg weisend, zu- oder abnehmend. Und dennoch füllen sich Kalender mit seinem Schein. Säen und Ernten werden nach ihm ausgerichtet. Und obwohl er selbst immer der Gleiche bleibt oder für unser Erdenleben lang zu bleiben scheint, folgen wir seinem Zyklus, mit dem er der Sonne begegnet, beschreiben ihn als Halb- oder Vollmond und ist doch immer derselbe.

Belügen wir uns selbst? Finden wir Trost in diesem Begleiter, der mit uns um die Sonne rotiert? Wer bist du Mond, der mich nachts nicht schlafen lässt, weil dein heller Schein in mein Zimmer dringt? Wer bist du Mond, der sich zurückzuziehen und aufzublühen scheint? Immer wieder und immer wieder. Zuverlässig wie Tag und Nacht begegnet uns dein Schatten.

Ich bewege mich mit dir. Ein regelmäßig wiederkehrendes Auf und Ab. Ein verlässlich auf das Licht ausgerichtetes Leben. Bei Sonnenschein bin ich da. Werde ich sichtbar. Leuchte und strahle. Ganz oder ein bisschen. Und im hellen Sonnenschein verblasse ich vor Neid, bin nichts als Staub und Materie, ein Konglomerat aus festen und flüssigen Bestandteilen. Mit Kratern. Verletzbar. Unsichtbar. Und trotzdem da. Um dann, wenn es für dich finster wird, zu leuchten.


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